Ihr Kinderfahrrad-Ratgeber
Alles was Sie über Kinderfahrräder wissen müssen

 
 

So lernt Ihr Kind das Radfahren
Nur die Übung macht den Meister

Wenn Ihr Kind das Radfahren erlernen soll, dann ist die wichtigste Regel für die Eltern (und oft auch die Großeltern): Geduld, Geduld und nochmals Geduld!

Kein falscher Ehrgeiz

Viele Eltern sind oft zu ehrgeizig und glauben etwas versäumt zu haben, wenn ihr Kind im Kindergartenalter noch nicht radfahren kann. Dieser falscher Ehrgeiz kann negative wenn nicht sogar gefährliche Auswirkungen haben. Jedes Kind entwickelt sich anders und bildet bestimmte motorische Fähigkeiten zu unterschiedlichen Zeitpunkten aus.

Sie als Eltern sollten bedenken, dass Kinder im Gegensatz zu uns Erwachsenen ein noch nicht so stark geschultes Richtungshören und einen eingeschränkten Blickwinkel haben. Auch ist die Links-Rechts-Koordination noch unzureichend ausgeprägt und Entfernungen werden von Kindern oft falsch eingeschätzt. Von dem Gefühl des Kindes im Mittelpunkt der Welt zu stehen mal ganz abgesehen.

Die Optimale Vorbereitung

Das Laufrad als optimale VorbereitungUm Ihr Kind optimal auf das Radfahren vorzubereiten, sollten Sie ihm zuvor einen Roller oder ein Laufrad schenken und mit diesem dann Gleichgewichtssinn, Reaktionsfähigkeit und Körperbeherrschung üben. Sie unterstützen dadurch ausserdem den Bewegungsdrang Ihres Kindes und es wird die Stärkung der Stützmuskulatur Ihres Kindes positiv beeinflusst.

Wenn Ihr Kind dann so etwa 3 Jahre alt ist, eine Körpergröße von etwa einem Meter und eine Schrittlänge von ungefähr 40 bis 44 cm hat (siehe auch "Die Größe muss passen"), dann können Sie über ein erstes Kinderfahrrad nachdenken. Saust Ihr Kind mit seinem Laufrad schon sehr sicher umher, dann fragen Sie es doch einfach von Zeit zu Zeit, ob es ein eigenes Fahrrad haben möchte. Reagiert Ihr Kind dabei noch zu sehr zurückhaltend, dann warten Sie noch etwas ab. Setzen Sie Ihr Kind nie mit "jetzt musst du Radfahren lernen" unter Druck. So wird das nichts. Nicht vergessen: Geduld, Geduld und nochmals Geduld!

Interesse geweckt? Dann kann es ja losgehen!

Ist Ihr Kind dann wirklich am Radfahren interessiert, dann kann es ja losgehen. Haben Sie ein passendes Kinderfahrrad (siehe auch "Das erste Kinderfahrrad" / "Die besten 12 Zoll Kinderfahrräder") und einen auf Ihr Kind zugeschnittenen Fahrradhelm (gehört von Anfang an immer dazu, auch beim Radfahren lernen! Lesen Sie dazu auch unseren Artikel "Der richtige Kinderfahrradhelm") besorgt, dann schauen Sie, wann und wo Sie mit Ihrem Kind die ersten Fahrversuche unternehmen möchten.

Veranschlagen Sie ausreichend Zeit und vermeiden Sie gegenüber Ihrem Kind große Ankündigen oder Erwartungshaltungen. Sätze wie "Nächstes Wochenende lernst du das Radfahren" setzen Sie und das Kind völlig unnötig unter Druck. Mit einem "Komm, wir probieren es mal" ist die ganze Sache viel entspannter und ruhiger.

Der passende Zeitpunkt & der richtige Ort

Bedenken Sie bei der Wahl des Zeitpunktes auch, dass der späte Freitagnachmittag keine gute Wahl ist, da Sie als Eltern und Ihr Kind nach einer anstrengenden Woche nicht in Bestform sind. Samstags so gegen 11 Uhr schaut es schon besser aus. Alle sind topfit und zu Höchstleistungen bereit.

Bei der Wahl des geeigneten Übungsortes sollten Sie darauf achten, dass dort kein Verkehr ist und ausreichend Platz zur Verfügung steht. Auch sollte die Fläche eben. Sehr gut eignen sich hier große leere Parkplätze ohne Hindernisse.

Bevor Sie mit Ihrem Kind losziehen: Lassen Sie die Stützräder weg. Sie vermitteln Ihrem Kind nur eine trügerische Sicherheit und sind absolut nicht empfehlenswert. Mit Stützräder lern Ihr Kind nicht die Balance zu halten. Sollte es ohne Stützräder nach etwa 15 Minuten noch garnicht klappen und Ihr Kind kann kaum ein paar Meter alleine fahren, dann brechen Sie hier an dieser Stelle vorerst ab und es ist es besser, wenn Ihr Kind noch eine Zeit lang mit dem Laufrad unterwegs ist und Sie später auf das Fahrrad zurückkommen.

Das Kinderfahrrad richtig einstellen

Aufprallschutz am Lenkervorbau eines 12 Zoll KinderfahrradesNeben den ganz allgemeinen Sicherheitsmerkmalen wie dem geschlossenen Kettenschutz, den Sicherheitslenkergriffen und einem ausreichenden Aufprallschutz am Lenkervorbau ist es sehr wichtig, dass Sie die Höhe von Sattel und Lenker richtig eingestellt haben.

Die Höhe des Sattels sollten Sie so einstellen, dass Ihr Kind mit beiden Fußballen sicher den Baden berührt, wenn es auf dem Sattel sitzt. Sollte sich Ihr Kind so noch zu unsicher fühlen, dann verringern Sie die Sattelhöhe soweit, dass Ihr Kind mit der Sohle beider Füße auf den Boden kommt. Dies vermittelt gerade Anfängern noch ein zusätzliches Sicherheitsgefühl, da Ihr Kind so schneller den Boden berühren kann. Wenn es dann schon besser klappt, einfach den Sattel wieder etwas nach oben verstellen.

Die Höhe des Lenkers sollten Sie so einstellen, dass Ihr Kind möglichst aufrecht (= rückenfreundlich) sitzt. Wenn Ihr Kind den Lenker des Fahrrads hält, sollten die Ellenbogen leicht angewinkelt sein. Der Lenker und die Bremsgriffe müssen immer bequem zu erreichen sein - auch bei beim Kurvenfahren. Probieren Sie gerade dies auch einmal im Stehen aus.

Praktische Tipps

Anschubsen statt schieben - Wenn man langsam mit einem Fahrrad unterwegs ist, dann können die stabilisierenden Kräfte nicht ausreichend wirken. Deshalb ist das Anfahren für viele Kinder immer am schwierigsten. Helfen Sie Ihrem Kind hierbei nicht mit konstantem Schieben, sondern schubsen Sie Ihr Kind nur sachte an, damit es ins Rollen kommt und motivieren es dann zum Treten der Pedale.

Ruhig mal Fallen lassen - Wenn Sie Ihr Kind vor jedem Sturz schützen und es immer wieder auffangen, dann ist dies nicht unbedingt der richtige Weg. Am Anfang ist die Fallhöhe und die Geschwindigkeit noch relativ gering und das Verletzungsrisiko vergleichsweise niedrig. Ihr Kind lernt so mit einer solchen Situation umzugehen. Lernen wie man fällt gehört dazu, genauso wie das Radfahren selbst.

Die richtige Blickrichtung - Der Oberkörper, der Kopf und der Blick des Kindes sollten immer in Fahrtrichtung zeigen. Um das Kind nicht zum Umdrehen zu verleiten wird oft dazu geraten, rückwärts vor dem Fahrrad zu laufen und gegebenenfalls einzugreifen. Die Theorie in Ehren, aber aus der Praxis heraus können wir sagen, dass dies nicht wirklich machbar ist. Wenn es bei Ihnen klappen sollte, okay. Wenn nicht, bleiben Sie einfach hinter dem Fahrrad.

Dran bleiben - Ihr Kind ist nun bald schon recht sicher auf seinem neuen Kinderfahrrad unterwegs. Nun heißt es dran bleiben. Nur die Übung macht den Meister. Versuchen Sie, dass Ihr Kind bei möglichst vielen Gelegenheiten mit seinem Fahrrad fahren kann. Zum Spielplatz, in den Kindergarten oder zu Freunden. Ab und zu wird es am Anfang aber auch vorkommen, dass Ihr Kind auch mal wieder mit dem Laufrad zum Beispiel in den Kindergarten fahren möchte. Das ist okay. Es wird dann genauso wieder den Drang verspüren, mit dem Fahrrad zu fahren.

Fortschritt und Abwechslung - Versuchen Sie, dass Ihr Kind nun auch mal nicht nur immer geradeaus fährt, sondern auch mal Kurven, Kreise und Achten. Üben Sie mit Ihrem Kind das Bremsen (vorne und hinten) sowie das sichere Auf- und Absteigen. Um etwas Abwechslung zu schaffen können Sie auch flache Bretter auf den Boden legen, über die Ihr Kind dann drüberfahren kann. Auch sollte Ihr Kind das Fahren auf anderen Untergründen wie Feldwege und Wiesen üben. Eben all das, mit was Ihr Kind später so konfrontiert werden kann. Weitere praxisnahe und leicht durchzuführende Übungen finden Sie in unserem Artikel "Radfahrtraining".

Die Eltern sind das Vorbild - Kinder machen sehr viel nach, was wir als Eltern ihnen vorleben. Sie orientieren sich an uns. Aus diesem Grund sollten Sie als Eltern den positiven und sicheren Umgang mit dem Fahrrad vorleben. Vorbildliches Verhalten im Straßenverkehr gehört dabei ebenso dazu wie das Tragen eines Helms.

Bücher zum Thema Radfahren lernen für Ihr Kind

Zum Thema Radfahren lernen gibt es auch einige schöne Bücher, die Sie zusammen mit Ihrem Kind anschauen können. Mit solchen Büchern können Sie zum einen das Interesse für Fahrräder wecken und auch ganz spielerisch schon die ersten Regeln für den Straßenverkehr vermitteln.

Der kleine Tiger braucht ein FahrradZum einen gibt es da das ganz wundervolle Buch "Der kleine Tiger braucht ein Fahrrad" von JANOSCH. Der kleine Tiger braucht ganz dringend ein Fahrrad. Und wozu? Na klar, um akrobatisch durch die Gegend zu kurven und in die Ferne zu schweifen um fremde Völker zu erforschen. Na wenn das mal nicht überzeugende Argumente sind!

 

 

 

 

Sicher im StraßenverkehrDer Straßenverkehr kann für Kinder mitunter ganz schön unübersichtlich sein. Damit Ihr Kind dieses Chaos entwirren kann und auch selber sicherer wird, wäre doch das tiptoi-Buch "Sicher im Straßenverkehr" etwas für Ihr Kind. Hier wird mit vielen tollen Geräusche und Spielen das Überqueren der Straße und Verhalten im Straßenverkehr geübt. Ach ja, für die tiptoi-Bücher brauch man natürlich einen tiptoi-Stift, aber sicher wissen Sie das bereits und Ihr Kind hat bereits einen.

 

 

Weitere Buchtipps finden Sie in unserer Empfehlungsliste für Kinderbücher.

 

Bild "Die Optimale Vorbereitung": Quelle [www.pd-f.de / messe-friedrichshafen / eurobike]


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